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Nordzucker Post 1/2025 - 23. Januar 2025
Herausforderungen und Perspektiven in einer volatilen Marktlandschaft
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wir sind auf der Zielgeraden: Mitte Februar werden die letzten Rüben in den deutschen Nordzucker-Werken verarbeitet. Damit endet eine außergewöhnlich lange Kampagne. Sie verlief ganz anders als die vorherige, die in vielen Anbauregionen durch starke und anhaltende Niederschläge und Hochwasser geprägt war. Die wechselhaften Rahmenbedingungen der jüngsten Kampagnen stehen sinnbildlich für die vielfältigen Herausforderungen, die unsere Branche und die Landwirtschaft bewältigen müssen.
Wir bewegen uns weiterhin in einem volatilen Zuckermarkt. Die zuletzt deutlich gesunkenen Zuckerpreise schlagen sich in der Bilanz nieder. Die ersten Monate des Geschäftsjahres profitierten noch von hohen Verkaufspreisen. Mit dem neuen Zuckerwirtschaftsjahr ab 1. Oktober 2024 entwickelte sich das operative Ergebnis hingegen wie erwartet rückläufig. Dennoch werden wir das laufende Geschäftsjahr mit einem deutlich positiven Ergebnis abschließen. Nicht so zuversichtlich fällt der Blick auf das Geschäftsjahr 2025/26 aus; ein negatives Ergebnis können wir angesichts der Marktlage kaum ausschließen. Eine Entwicklung, mit der wir in derart volatilen Märkten rechnen müssen. Wir haben Maßnahmen zur Reduzierung unserer Kosten eingeleitet und die Rübenverträge an die Marktlage angepasst, so dass wir 2025 weniger Zucker herstellen werden. Bei den Zuckerpreisen in der EU deutet sich aufgrund der zu erwartenden geringeren Anbaufläche im nächsten Jahr bereits eine Entspannung an, die Talsohle scheint erreicht. Nordzucker ist sehr solide aufgestellt und widerstandsfähig.
Auch im Bereich pflanzenbasierter Proteine haben sich die Marktbedingungen verändert. Deshalb haben wir entschieden, den Baubeginn für die Erbsen-Proteinfabrik in Groß Munzel vorerst zu verschieben. Der Markt für pflanzenbasierte Proteine wächst momentan im Zuge der allgemeinen Konsumzurückhaltung geringer als erwartet. Hinzu kommen zusätzliche Importe, insbesondere aus China nach Europa, und neu entstehende Produktionskapazitäten. Dies führt in Europa zu Überkapazitäten und infolgedessen zu niedrigen Preisen. Wir sehen weiterhin großes Potenzial im Markt für pflanzenbasierte Proteine. Gleichzeitig ist es notwendig, dass wir unser Vorgehen an die veränderten Marktbedingungen anpassen. Wir verfolgen das Projekt daher weiter, aber überarbeiten aktuell die Ausrichtung. Die für 2025 geschlossenen Erbsenanbauverträge werden erfüllt.
Bei anderen Herausforderungen drängt die Zeit. Stichwort Klimawandel und Ausbreitung von Pflanzenkrankheiten. Die Ausbreitung neuer Schädlinge wie der Schilfglasflügel-Zikade, die Krankheiten wie Stolbur und Syndrome Basses Richesses (SBR) übertragen, bedrohen nicht nur die Zuckerrübe, sondern auch Karotten oder Kartoffeln. Hier müssen wir dringend an Lösungen arbeiten – gemeinsam mit den Zuckerverbänden für unsere Branche und mit politischer Unterstützung. Beispiel Pflanzenschutz: Um die Ausbreitung der Zikaden zu stoppen, müssen kurzfristig bereits zugelassene Pflanzenschutzmittel für den Einsatz auch gegen diesen Schädling zugelassen werden. Gemeinsam mit den Zuckerverbänden setzen wir uns dafür ein. Gleichzeitig intensivieren wir die Forschung rund um Interaktionen von Wirtspflanze, Vektor und Erreger sowie die Lagerfähigkeit und Verarbeitungsqualität von Zuckerrüben.
Klar ist, ohne den Rohstoff Zuckerrübe läuft auch keine Zuckerfabrik. Unser Engagement dient auch der Sicherung von Arbeitsplätzen, Wertschöpfung und Perspektiven in den ländlichen Regionen rund um unsere Standorte. Um dies in eine nachhaltige Zukunft zu führen, benötigen wir unterstützende politische Rahmenbedingungen. Dafür setzen wir uns ein.
Es grüßt Sie herzlich, Ihr
Lars Gorissen, CEO